Zukunft gestalten: Interviews aus unserem Netzwerk – acoris AG

Volker Scheidler
CEO acoris AG
Wie schätzen Sie das Potenzial von Microsoft CoPilot & Co. für den Mittelstand ein?
Welche realistischen Einsatzszenarien sehen Sie bereits heute – und wo stoßen Unternehmen Ihrer Erfahrung nach aktuell noch an Grenzen?
Das Potenzial ist enorm – gerade im Mittelstand, wo Ressourcen oft knapp sind und Effizienzgewinne einen direkten Wettbewerbsvorteil bedeuten. Mit CoPilot lassen sich heute bereits Routineaufgaben automatisieren: von der schnellen Erstellung von Texten und Präsentationen über die Analyse großer Datenmengen bis hin zur Unterstützung in Projektmanagement und Kundenkommunikation. Wir sehen besonders im Zusammenspiel mit Microsoft 365, der Microsoft Power Platform und Business Central schon jetzt viele praxisnahe Einsatzfelder.
Die Grenzen liegen aktuell vor allem in der bei den Unternehmen vorliegenden Datenqualität, der internen Governance und sehr häufig auch noch in der Akzeptanz bei den Mitarbeitenden. Ohne gute Vorbereitung in der Datenstrukturierung, klaren Regeln für Datenschutz, Informationssicherheit und den verantwortungsvollen Einsatz von KI sowie ausreichende Change Unterstützung für die Mitarbeitenden laufen Unternehmen hier Gefahr, falsche oder unvollständige Ergebnisse zu nutzen und dadurch vom Einsatz der Technologie enttäuscht zu werden. Hier setzen wir bei acoris an – mit einem ganzheitlichen Einführungsansatz, der Kultur, Sicherheit und Technologie zusammenbringt.
Sie begleiten Unternehmen bei der Einführung moderner Arbeitsumgebungen. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen – bei der Technologie, den Prozessen oder eher im kulturellen Wandel innerhalb der Organisationen?
Technologie ist heute selten das Problem – sie ist leistungsfähig, verfügbar und skalierbar. Die eigentliche Herausforderung liegt im kulturellen Wandel: Gewohnheiten ändern sich viel langsamer als Softwareversionen in der Cloud. Mitarbeitende müssen lernen, Verantwortung für hochflexible, oft ortsunabhängige Zusammenarbeit zu übernehmen und sich immer wieder auf Veränderungen der Services einzulassen.
Wir erleben in Projekten häufig, dass Rollen und Prozesse erst neu gedacht werden müssen, bevor die Technik ihre Wirkung entfalten kann.
Das bedeutet: Rollen und Verantwortlichkeiten klären, Kommunikationswege definieren und Führungskräfte in ihrer Rolle als Unterstützer und Coach stärken.
acoris begleitet diesen Wandel nicht nur technisch, sondern auch methodisch – etwa mit Unterstützung der inhouse Kommunikation, Bereitstellung eines Governance, Adoption and Training Ressource Center, Wissensvermittlung für Mitarbeitende und Führungskräfte sowie der Begleitung bzw. Umsetzung von Pilotprojekten, die erlebbar machen, wie moderne Zusammenarbeit heute funktioniert.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in Ihren Digitalisierungsprojekten?
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem digitale Lösungen konkret zu messbaren Ressourcenschonungen oder Effizienzgewinnen geführt haben?
Nachhaltigkeit ist leider noch nicht in jedem unserer Projekte fester Bestandteil – aber wir sehen darin ein großes Potenzial. Digitale Lösungen können einen spürbaren Beitrag zur Energieeinsparung und Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks leisten, wenn sie bewusst geplant und betrieben werden.
Ein Beispiel aus der Praxis: Bei einem Fertigungsunternehmen haben wir mit einer cloudbasierten Kollaborationsplattform papierbasierte Abläufe weitgehend abgeschafft und Geschäftsreisen deutlich reduziert. Das Ergebnis: messbare CO₂-Einsparungen bei gleichzeitig steigender Produktivität.
Besonders spannend finden wir auch einen nächsten Schritt: Mit unseren Digitalisierungsprojekten schaffen wir häufig zunächst Transparenz über Produktions- und Verbrauchsdaten – und bereiten diese in kompakten Power BI-Dashboards auf. Darauf basierend können dann Produktionsprozesse gezielt gesteuert, Ausschuss reduziert und Durchlaufzeiten optimiert werden. Das führt nicht nur zu höherer Effizienz, sondern trägt mittelbar auch erheblich zur Ressourcenschonung bei.